30
Okt
2008

Äähh Ääähhhh (Sie wissen schon: Husten!)

Valentin (11) hat Husten und bellt wie ein polnischer Straßenköter.
Ich suche in dem hervorragend gefüllten, aber leider etwas unübersichtlichen Sammelsurium namens Medizinschränkchen nach Hustensaft.
In einem gut sortierten Haushalt hängt das Schränkchen wie vorgeschrieben im Bad – unerreichbar hoch für Kinder.
Bei uns liegt der Arnzeikasten in einem Regal im Abstellraum.
Trotz auf Augenhöhe ist es für Kinder unzugänglich, denn dort geht aufgrund des herrschenden Chaos garantiert freiwillig kein Kind rein. Denn merke: Kinder gehen immer dort hin, wo gerade aufgeräumt wurde, um die neue Ordnung schwupps in infernalische Zustände zu verwandeln.

Weil ich nicht komplett bekloppt bin, mache ich mir dieses kindliche Handlungsmuster natürlich zunutze und räume nur jene Räume akribisch genau auf, in denen ich die drei Kinder, die mich mehrmals am Tag mit ihren großen, gierigen Augen anschauen, sehen will: Ihre Kinderzimmer.
Kürzlich hat mich irgendwer, dessen Name ich mir auch gar nicht merken will, darauf hingewiesen, dass mein System Lücken hat. Ein Schwachsinn – wie ich meine! Die einzige Lücke, die bei genauester Betrachtung in meinem System zu erkennen wäre, ist jene, dass die Kinder nicht in einem Internat sind. Aber das ist zu teuer. Haha.
Warum muss ich plötzlich an einen alten Hund denken? Ach ja, Valentin hustet.
Ich finde vier verschiedene Hustensäfte– nur leider sind alle leer. WER ZUM TEUFEL SÄUFT HIER STÄNDIG HUSTENSAFTFLASCHEN AUS UND GIBT DIE LEEREN ZURÜCK??

Weil die Terrassentür offen ist und ich bei den Nachbarn nicht als zänkische Alte im Gespräch sein will, halte ich die Klappe und zertrete einen Handbesen.

Valentin mag seinen Husten sehr, denn so ein Gekeuche und Gebelle garantiert maximale Aufmerksamkeit. Wenn er hustet, formt er seinen Mund zu einem Rohr, läuft rot an, windet sich nach vorne und hinten, springt im Takt zu „Ähäää, Ähää, Ähäää“ und inszeniert einen beeindruckenden Kampf um Leben und Tod.

Das macht er natürlich auch in der Schule. Seine Lehrerin hat mir heute ins Elternheft geschrieben, ich solle mit ihm zum Arzt gehen. Sie hat tatsächlich reingeschrieben: „Gehen Sie doch mit Valentin zum Arzt!“. Wie sich das anhört!?
Ich komme mir schlecht vor. Sehr sehr schlecht. Und ich beschließe, die Lehrerin nicht zu mögen. War mir schon beim vergangenen Elternsprechtag unsympathisch. Irgendwie hölzern, die Gute. Hatte die Ausstrahlung eines Brotmessers. Möchte ich – wäre ich ein Mann – wirklich nicht als Frau haben. Als Geliebte schon gar nicht. Aber ich sehe schon, ich verliere mich in Details.
„Ähää, Ähäää, Ähääää“, Valentin explodiert bald.
Ich schlage ihm vor, Salzwasser zu inhalieren.
„Nein, das mach ich sicher nicht!“, kreischt er (übrigens sein Standard-Satz seit vier Wochen!).
„Okay, dann nicht“, gebe ich mich verdächtig desinteressiert, was ihn natürlich verunsichert. Einer meiner Lieblingstricks, zieht fast immer. Man muss den Gegner, also das Kind, verunsichern - damit Zeit gewinnen in der man sich schnell neue Strategien überlegen kann - und die dann sofort gezielt einsetzen.

„Okay, dann nicht“, sage ich noch ein Spur desinteressierter, also fast scheintot, und drehe, um mein Nicht-Interesse an seiner Gesundung zu unterstreichen, den Wasserhahn ab.

Der Schachzug greift, Valentin steht unschlüssig in der Küchentür und denkt angestrengt nach. Wenn er denkt, hustet er nicht. Ist der Umkehrschluss zulässig, dass Husten der Ausdruck von Nicht-Denken ist? Ich sehe schon, ich drifte ab.

„Es liegt an dir zu entscheiden, ob du krank oder gesund sein willst“, beginne ich meinen Monolog, der pädagogisch wie strategisch auf tönernen Beinen steht. „Ich kann dich nicht zwingen, gesund zu werden. Und ich werde dich auch nicht zwingen.“

Schweigen.

Valentin verfolgt meine Bewegung wie ein Karnickel das Zucken einer Klapperschlange. Ein gutes Zeichen! Ich kann im Gesicht meines Sohnes lesen wie im Kaffeesud, mittels dem ich wöchentlich meine Lottozahlen eruiere.

Und um Ihre Frage zu beantworten: WÜRDE ICH DANN HIER SITZEN UND IN DEN LAPTOP HACKEN?
Oder würde ich in Miami am Pool hängen, in jeder Hand einen Longdrink und Tom Selleck würde mir (natürlich mit seiner deutschen Synchronstimme, denn so weit ist es mit meinen Englischkenntnissen auch wieder nicht her) Max Goldt kapitelweise vorlesen?
Wissen Sie übrigens, wie lange die Apotheke offen hat? Ich sollte wohl eine Kiste Hustensaft kaufen...

Chaos.Combo und wie der Wahnsinn einen Anfang nahm.

(Ich hoffe, Sie haben Zeit?)

Eigentlich wollte ich nie Kinder haben. Jetzt stehen drei vor mir. Einer davon, der Junge, „gehört“ mir. Er ist elf Jahre alt und der Mensch, mit dem ich die bisher konstanteste Beziehung meines Lebens habe, sprich am längsten zusammenlebe – möglicherweise, weil ich mir bisher schwergetan habe, ihn aus der Wohnung zu werfen. Die anderen beiden Kinder sind Mädchen, jeweils 13 und sind die Töchter meines Mannes, mit dem ich seit fünf Jahren liiert und seit zweineinhalb Jahren verheiratet bin. Wenn Sie Zweifel hegen, ob ich noch ganz dicht bin, dann pflichte ich ihnen bei.

Damit Sie sich ein Bild davon machen können, wer ich bin und wie die Chaos.Combo entstanden ist, ... beginnt hier mal die Vorstellung, weil:
Ich persönlich kann das ja gar nicht haben, wenn man eine Geschichte liest, die noch dazu in der Ich-Form geschrieben ist und man keine Ahnung hat, wer „ich“ nun ist.

Und nicht nur das! Wenn „ich“ außerdem jemand ist, in dessen Leben ich mich so gar nicht reinversetzen kann oder will, dann lese ich nicht mehr weiter. Möglicherweise liegt das am meinem zugegeben mangelndem Einfühlungsvermögen, aber ich tu mir außerordentlich schwer damit, mich mit einem 47-jährigen Bankräuber zu identifizieren. Oder einer Figur wie Madame Butterfly. Oder mit Maria Fekter. Das geht gar nicht.
Aber ich sehe schon, ich schweife ab.

Ich bin 35 Jahre, fühle mich an manchen Tagen doppelt so alt (und wenn ich mit den Damen Freundinnen anständig ausgegangen bin seh´ ich auch so aus!) und bin das, was man schlicht „Durchschnitt“ nennt. Wäre ich ein BH, wäre ich 80 A.
Ich bringe mein Leben so irgendwie, ähm, ganz passabel auf die Reihe, bin aber weit davon entfernt alles im Griff zu haben. Hin und wieder orten andere Personen bei mir menschliche Schwächen – was ich aber meist sehr eloquent abschmettere.
Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass es in meinem Blog nicht möglich ist, Kommentare abzugeben? Das hat einen guten Grund: Ich vertrage keine Kritik und halte nur meine eigene Meinung für relevant.
Nein, das war ein Scherz! Ich wollte nur mal so cool sein wie Karl Lagerfeld - der hatte kürzlich in einem Interview einem Journalisten erklärt, dass für ihn nur seine eigene Meinung zähle. UND JA, danke für die Zwischenrufe: Ich weiß, dass DER sich das leisten kann!!
Wo war ich? Ach ja:
Der Grund, warum ich eigentlich keine Kinder wollte: Du wirst sie nicht mehr los.
Und ich bin – oder war? – nicht so der längerfristige Typ. Ich lebte in Jahresrhythmen. Aus diesem Grund wechselten meine Liaisonen zu Männern alle vier Jahre. Möglicherweise hat es damit zu tun, dass ich durch die Schulzeit, die ja alle vier Jahre andere Formen annimmt – Volkssschule, Gymnasium, Studium (okay, das dauerte „etwas“ länger) – unterbewusst derart geprägt wurde, dass ich de facto gezwungen war, diesen Rhythmus beizubehalten. DAS SYSTEM ist an meiner Unbeständigkeit schuld!!!
Andrerseits: Unbeständige Frauen wie ich haben den Vorteil, dass sie leichter zu ertragen sind, als eintönige. Manchmal werden sie umgebracht, aber nur selten verlassen.

Weil es meistens anders kommt, Sie wissen schon, bekam ich dann doch ein Kind und zwar mit Kerl Nr.2, was Eltern, gutmeinende Freunde und Bankberater schockte. Zwar lege ich nur wenig Wert auf die Meinung der angeführten Personengruppen, aber ich diesem Punkt verstehe ich im Nachhinein die Ressentiments ohne jetzt großartig auf die Schwachstellen des Vaters meines Sohnes draufhauen zu müssen.

Dann kam Kerl Nr. 3, der sich scheiden ließ, nachdem er mich kennenlernte, Frau und Kind gegen neue Frau und Kind „tauschte“ und die nächsten vier Jahre darunter litt, selbiges getan zu haben – quasi seinen roten Golf gegen einen blauen getauscht zu haben. Vielleicht hat er aber nur darunter gelitten, dass er so blöd war, einen Golf gegen einen Golf zu tauschen und nicht gegen einen Jaguar – sinnbildlich gesprochen. Mein Sohn, der übrigens Valentin heißt, mochte Kerl Nr. 3 nicht wirklich, hatte aber auch keine großartigen Aversionen gegen ihn. Insofern war es auch nicht schlimm, als ich nach Ablauf der Vierjahres-Frist das Verhältnis zu ihm beendete und wegzog.

Ich will nicht ins Detail gehen, aber korrekterweise muss ich zugeben, dass eigentlich er mit mir Schluss gemacht hatte. Am heiligen Abend! Im Nachhinein gefällt mir der Gedanke, dass er nicht an einem x-beliebigen Tag mir eine x-beliebige E-Mail geschrieben hat, in welcher er das Ende unserer mittlerweile sehr spröden Beziehung ins Haus gestellt hat, sondern den Abend der Abende, den heiligen, gewählt hat, um mich in wenigen Worten über das Ende des Gefühlsbades zu informieren: „Ich kann nicht mehr“.
Ein Satz, der wirkt – wie ich meine.

Mit der Absicht, nie wieder einen Mann mit lebender Vergangenheit, sprich Kind und (Ex-)frau näher kennenzulernen, traf ich auf Stefan – und seitdem bin ich bemüht, mein Karma im Ausgleich zu halten. Denn:

Der gute Mann, der nun meiner ist, hat eine äußerst lebhafte Vergangenheit in Form von zwei (!) Kindern. Zwillingen. Mädchen. Lea und Lilli. Und einer – um es euphemistisch auszudrücken - furiosen Exfreundin.
Das wusste ich damals noch nicht. Das und vieles mehr.
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Chaos.Combo

spectacular daily experiments und was sonst noch anfällt

Combo.Chaos - auf einen Blick

klasse!
klasse!
Samuel B. - 23. Apr, 21:29
und wie weit
... fällt der apfel vom stamm?????
krummi200 - 21. Mär, 11:35
Vorsicht, Kamera
Kürzlich ein Anruf meiner Mutter (ü-60): Mutter:...
quakexpress - 12. Mär, 19:26
Normal und so.
Die „kurze Anmerkung“ von Dani (13) – einem Freund...
quakexpress - 25. Feb, 18:43
die frage lautet
wie ist der optimale liebhaber??
froggie - 24. Feb, 21:05
und mit vernünftiger...
und mit vernünftiger Rechtschreibung wohl auch nicht.
Kazum - 24. Feb, 17:57
alternative sixpack
Die Suche nach dem optimalen Liebhaber gestaltet sich...
quakexpress - 24. Feb, 17:52
hahahaha
boshaft wie immer. gut!!!
froggie - 22. Feb, 11:44
Eine Bitte:
http://www.avaaz.org/de/ga za_time_for_peace
lightly - 17. Jan, 15:14
Abenteuer im Orient
Kürzlich wurde mir vorgehalten, dass es in diesem Blog...
quakexpress - 17. Jan, 12:33
LURCH der WOCHE
In unserer beliebten Serie „Männer, die wir nicht brauchen“,...
quakexpress - 13. Jan, 12:28
mit 5) ging es mir genauso bei...
mit 5) ging es mir genauso bei den anderen fragen ......
Samuel B. - 6. Dez, 16:35
Auftrags-Schrift
Lilli, Lea (jeweils 14) und Valentin (11) haben sich...
quakexpress - 3. Dez, 19:25
Worüber man sich Gedanken...
Auf die Anregung Samuel B.´s, er würde sich an meiner...
quakexpress - 3. Dez, 18:10
ich würde mir gedanken...
ich würde mir gedanken darüber machen, dass das meiste...
Samuel B. - 28. Nov, 13:40
Handtaschen
Ich kenn die Welt – doch lieber lese ich die Gala auf...
quakexpress - 24. Nov, 22:12
Scheitern und so
Captain Cock (siehe Kommentar rechts) merkt an, dass...
quakexpress - 23. Nov, 23:24
Du hast einen total coolen...
Du hast einen total coolen Schreibstil und was musste...
Capt. Cock - 21. Nov, 20:07
Ein Hoch auf Shaw
Bitte sprechen Sie mir folgende Sätze 765 Mal nach:...
quakexpress - 21. Nov, 19:37
Wer suchet...
Capt. Cock regt (siehe Kommentare rechts) an, "in der...
quakexpress - 20. Nov, 10:58

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